Die hohe Qualität der Ägyptenausstellung in Leoben, die archäologische Situation in Ägypten nach der politischen Wende und die Imagemaßnahmen Ägyptens als Tourismusland wurden auf einer Pressekonferenz mit Kulturbotschafter Zahi Hawass und Professor Wilfried Seipel in der Kunsthalle Leoben erörtert.

 

Foto: leopress
Foto: leopress

 

Auf Einladung von Professor Wilfried Seipel, dem Kurator der diesjährigen Ägyptenausstellung in der Kunsthalle Leoben, besuchte Zahi Hawass, einer der führenden Ägyptologen aus Ägypten die Ausstellung „Die letzten Pharaonen. Von Alexander dem Großen bis Kleopatra“. Hawass, der im Laufe seiner jahrzehntelangen archäologischen Tätigkeit 240 Ausgrabungen geleitet hat, zeigte sich von der Qualität und Machart der Ausstellung in Leoben tief beeindruckt. „Eine Ausstellung wie diese in einer kleinen Stadt in Österreich, das beeindruckt mich sehr. Denn solche Ausstellungen gehen sonst nur in große Städte. Den Namen Ägypten in einer kleinen Anlage in dieser Stadt zu sehen erfreut mich daher ganz besonders. Ich sehe auch heute zum ersten Mal diese wunderschöne Statue von Kleopatra. Und Kleopatra zieht Menschen immer an“, führte der ehemalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung und einstige Minister für Altertumsgüter anerkennend aus.

 

Vizebürgermeister Maximilian Jäger zeigte sich ob des Besucherinteresses für diese zweite Ägyptenausstellung in der Kunsthalle sehr zufrieden. Die erste Ägyptenausstellung lief 2001 und war eine der erfolgreichsten. „Wir befassen uns heuer wiederum mit dem Thema Ägypten. Mittlerweile sind wir auch mit dieser Ausstellung, die wieder hochkarätig ist, sehr zufrieden. Wir haben über 23.000 Besucherinnen und Besucher bereits gehabt und wir werden unserem Ziel ziemlich nahe kommen“, ist Jäger zuversichtlich, das richtige Thema gewählt zu haben.

 

Die griechisch-römische Periode in der ägyptischen Geschichte

Ägypten in der griechisch-römischen Periode wurde in Ausstellungen bis dato stark vernachlässigt, würdigt auch Zahi Hawass die Bereitschaft, in Leoben diese Epoche ägyptischer Geschichte näher zu beleuchten. In diesem Zusammenhang lobte er das Geschick von Kurator Wilfried Seipel als großen Ausstellungsmacher weltweit über gute Kontakte zu verfügen, um interessante Ausstellungesstücke zu bekommen, die das religiöse oder alltägliche Leben gut zeigen. In Ägypten selbst wurde auf Grund der politischen Unruhen und der Revolution der Neubau eines Museums in Alexandria für diese Epoche gestoppt. Nun unterstützt Italien den Weiterbau mit 10 Mio. Euro, sodass Zahi Hawass hofft, „bereits nächste Woche in diesem Museum weiterarbeiten zu können“.

 

Politische Situation in Ägypten nach der Revolution

Die Situation in Ägypten nach der Revolution im Jahr 2011 und die Situation für Sehenswürdigkeiten und Ausgrabungstätigkeit war ein zentraler Punkt der Pressekonferenz. Durch den politischen Umsturz im Land kam die professionelle Ausgrabungstätigkeit fast gänzlich zum Erliegen. Es fehlt überall an den finanziellen Mitteln. Zudem hat sich eine gewisse Goldgräbermentalität in der Bevölkerung breitgemacht. Jeder könne in seinem Garten graben und antike Objekte im Boden finden, denn das neue Ägypten ist auf dem alten Ägypten aufgebaut. Im Vergleich von Sattelitenaufnahmen aus den Jahren 2010 und 2014 könne man diese private Grabungstätigkeit deutlich erkennen, so der Forscher aus Ägypten. Ein in der Bevölkerung weit verbreiteter Irrglaube von der Existenz einer heilbringenden Flüssigkeit, genannt „Rotes Quecksilber“, die im Rachen von Mumien existieren soll, kurbelt den Run auf antike Fundstücke und Grabungsorte zudem wesentlich an.

 

Kulturgüter landen am Schwarzmarkt

Auch beim Überfall auf das Museum in Kairo im Jänner 2011 wurde neben Gold nach dieser Flüssigkeit gesucht. Glücklicherweise gingen damals nur 54 Objekte aus dem Museum verloren, von denen Zahi Hawass bis auf 17 Stücke alle wiederfinden konnte. Aber in den Jahren 2010 und 2011 verlor Ägypten laut Experten viele historische Objekte, die dann auf dem Schwarzmarkt wieder aufgetaucht seien.

 

Imagetour für Ägypten

Zahi Hawass setzt seine Bekanntheit und Popularität weltweit ein, um das Interesse für antike ägyptische Kultur wieder zu wecken und Ägypten als Tourismusland in Erinnerung zu rufen. Hinsichtlich der Ausstellung in Leoben meinte der Ägyptologe daher: „Ich hoffe, dass eine Ausstellung wie diese die Liebe zum Alten Ägypten wieder zurückbringt.“ Im Oktober 2015 werde er auch zusammen mit ägyptischen Tourismusverantwortlichen eine Tour in die Vereinigten Staaten von Amerika unternehmen, die weiter nach Chile, Mexiko, Brasilien und Argentinien führen soll. „Wir brauchen den Tourismus für unsere Wirtschaft aber auch für unsere Ausgrabungen. Ich habe 20 Museen gebaut und jetzt können wir nichts tun“. Durch die Revolution und den daraus resultierenden Geldmangel wurden alle Museumseröffnungen gestoppt.

 

Persönliche Ziele

Sein eigenes Forschungsgebiet sieht Zahi Hawass in neuerlichen Ausgrabungstätigkeiten an den historischen Stätten am Nil. Zudem ist soeben sein zehntes Buch über den allseits beliebten Pharao Tutanchamun erschienen.