ÖAMTC: Auto, Motorrad, Lkw & Co – wer hat die besten Bremsen?

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Sommerreifentest
Sommerreifentest (Foto: ÖAMTC)

Unterschiedliche Bremsleistung erhöht die Gefahr von Auffahrunfällen

2014 sind in Österreich 946 Auffahrunfälle auf Autobahnen und Schnellstraßen passiert. Das sind 42 Prozent aller Unfälle am hochrangigen Straßennetz. Dabei wurden 1.615 Menschen verletzt, zwölf kamen ums Leben (Quelle: Statistik Austria). Die Unfallursachen sind meist auf Unachtsamkeit, falsche Einschätzung der Entfernungen und zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen. „Oft wird auch vergessen, dass die Bremsleistung nicht unbedingt mit der Motorleistung oder der möglichen Höchstgeschwindigkeit steigt“, erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. „Wie leistungsstark die Bremsen verschiedener Fahrzeugkategorien sind, zeigt ein Vergleich, den der Club gemeinsam mit europäischen Partnern durchgeführt hat.“ Dazu traten ein Motorrad (BMW 1200GS), zwei Pkw unterschiedlicher Klassen (VW Golf, BMW X3), ein Wohnwagen-Gespann (BMW X3 mit Hymer Carado), ein Wohnmobil (Dethleffs Globebus T4), ein Kleintransporter (Mercedes Sprinter) und ein Lkw (DAF XF) an. „Alle Fahrzeuge waren voll beladen und mussten aus einer Geschwindigkeit von 80 km/h zum Stillstand gebracht werden“, erläutert der ÖAMTC-Experte den Testablauf.
Einige Ergebnisse – z. B., dass das Wohnwagengespann einen längeren Bremsweg als ein Pkw allein hat – überraschen nicht. Andererseits kommt das Gespann nach 25,2 Metern zum Stillstand und schneidet damit immer noch knapp besser ab als das Motorrad, das dafür 25,3 Meter braucht. Eher mäßige Werte schaffen Kleintransporter und Wohnmobil mit 28 bzw. 29,8 Metern Bremsweg. „Den längsten Bremsweg hat mit 36,2 Metern erwartungsgemäß der Lkw. Hier muss natürlich bedacht werden, dass mit insgesamt 40.000 kg mindestens die elffache Masse der auf 3,5 Tonnen reglementierten Fahrzeuge gestoppt werden musste“, hält der ÖAMTC-Techniker fest. Eine Randnotiz: Der Grad der Zuladung, also ob das Fahrzeug leer, teil- oder vollgeladen an den Start ging, hatte bei allen Testkandidaten nur geringen Einfluss auf den Bremsweg.
Moped- und Rollertraining
Moped- und Rollertraining (Foto: ÖAMTC)

Bremswege und Restgeschwindigkeiten im Detail

Ebenso interessant wie die Länge der Bremswege (und in der Praxis noch deutlicher spürbar, wenn ein Fahrzeug z. B. an ein Stauende kommt) sind die Restgeschwindigkeiten. „Wenn der Golf aus 80 km/h nach 23,2 Metern steht, hat das Wohnwagengespann immer noch 22,5 km/h auf dem Tacho. Beim Wohnmobil sind es 37,5 km/h, beim Lkw sogar 48 km/h“, rechnet der ÖAMTC-Experte vor. „Dementsprechend heftig würde ein Auffahrunfall ausfallen.“ Der Überblick über Bremswege und Restgeschwindigkeiten (Ausgangspunkt ist eine Geschwindigkeit von 80 km/h):

Abstand unbedingt einhalten, „richtig“ Bremsen

Unabhängig davon, in welchem Fahrzeug man sitzt, hat der ÖAMTC-Test einmal mehr bestätigt, dass angepasste Geschwindigkeit und unbedingtes Einhalten der Mindestabstände das Um und Auf sind. „Als Faustregel gilt: Der Abstand sollte mindestens zwei Sekunden betragen. In Metern entspricht das etwa dem halben Tachowert“, so Kerbl. „Wichtig ist auch, im Notfall voll zu bremsen und die Bremse erst, wenn es die Situation zulässt, wieder leicht zu lösen. ABS und ESP sorgen dafür, dass das Fahrzeug auch bei einem beherzten Tritt auf die Bremse stabil bleibt.“

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